Die Entstehungsgeschichte dieser Seite

Der 11.09.2001 - jeder hat ihn anders erlebt. Und fast jeder kann sich genau erinnern, was er an diesem Tag getan hat. Ich beispielsweise saß in einer Internetfirma und habe Webseiten auf einen Server geladen als ein Kollege von nebenan herein kommt: "Ein Flugzeug ist gerade in New York abgestürzt." Was haben wir daraufhin gemacht? Zunächst, man sollte es nicht glauben, haben wir weiter gearbeitet. Und nebenher versucht, weitere Infos zu kriegen. Um dann mitzuerleben, wie sukzessive weite Teile des Netzes zusammenbrechen. Also, Radio an. Jemand kriegt irgendwoher aus dem Netz doch noch Nachrichten, Bilder vom brennenden World Trade Center. Einige versammeln sich vor seinem Rechner. Als das zweite Flugzeug einschlägt, denke ich immer noch an einen Unfall. "Zwei Flugzeuge, das ist kein Unfall. Das ist Absicht, das ist geplant." sagt mein Chef und spätestens ab diesem Moment denkt keiner mehr ans Arbeiten. Es ist ein bißchen wie Weltuntergang als der erste Turm einstürzt und gleichzeitig die Nachricht kommt, dass "noch mehr Flugzeuge" über Amerika abgestürzt seien.
Alle greifen zu den Handys oder beginnen, Emails zu schreiben. Ja, auch zahlreiche "Are you ok?"-Emails, nach drüben. Freunde sind, wie sich herausstellt, nicht direkt betroffen. Trotzdem sitzt der Schock tief und ich breche nach kurzer Zeit auf, nach Hause.
Auf der Straße ist es friedlich, die meisten Leute wissen noch gar nicht, was passiert ist. Im Zug schaltet dann einer ein Kofferradio ein und bald reden alle im Abteil miteinander. Zu Hause: Fernseher an. Immer die gleichen Bilder. Zwei Tage lang Nachrichten, Information und mehr Information. Keiner weiß etwas Genaues. Es müsste mehr Stellen geben, an denen Informationen gesammelt werden. Zum ersten Mal der Gedanke, nicht nur passiv aufzunehmen, sondern zu ordnen, weiterzugeben. Wenigstens irgend etwas aktiv zu tun. Das Geschehene zu "ver-arbeiten". Als ob man damit etwas unter Kontrolle bringen könnte, dass man es in handlichem Format auf eine Website packt.
Ich beginne, die wichtigsten Adressen zu sammeln, zunächst auf meiner eigenen Domain. Schnell steigen die Besucherzahlen. Je länger ich im Netz unterwegs bin, desto deutlicher wird das Profil der Seite: Es soll eine friedliche, eine hilfreiche site werden als Gegengewicht zu z.B. Racheaufrufen und hasserfüllten Reaktionen in Newsgroups. Ich erhalte und schreibe Mengen von Emails. Sie kommen aus allen Bevölkerungsschichten, gerade auch von sehr jungen Menschen, Schülern, die sich durchs Netz klicken. Zum tieferen Nachdenken bleibt neben der wieder aufgenommenen Arbeit in der Firma und der Arbeit an wtc-trauer wenig Zeit, die Distanz zum Geschehen wächst. Bald schreibe ich keine Emails mehr mit der Bitte um Beiträge, sondern nehme nur noch die auf, die mir zugesandt werden. Und ich überlege, was wtc-trauer.de zusätzlich zu den zahlreichen Inhalten anderer Seiten, die wie Pilze aus dem Boden schießen (und von denen heute, zweieinhalb Jahre nach dem Ereignis, leider viele schon wieder eingegangen sind), noch beinhalten soll: Die Rubrik mit theologischen Beiträgen, die sonst eher zu kurz kam. Die Verarbeitung auf einer anderen Ebene, auch wenn es so kurz danach vermutlich noch zu früh für so etwas war.
Seit Anfang 2003 wächst die Seite nicht mehr und die Links werden tendenziell weniger, allgemeiner. Zunächst in monatlichem Abstand upgedated können es mittlerweile auch mehrere Monate sein, bis ich wieder dazu komme. Dennoch danke ich nochmals allen Besuchern und Beitragenden. Ich hoffe, dass diese Seite noch lange als Memorial Page bestehen bleibt und bald auch die 100.000 Besucher Grenze überschritten wird.
Februar 2004, M.S.

Sechs Jahre später: 200.000 Besucher und rund 460 Gästebucheinträge - danke für Ihr/Euer Interesse! 11.09.2007, Maria Schwartz

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Thumbnail: Link zu wtc-trauer.de
in "Bild am Sonntag"
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