Nach Terroranschlägen: Mehr auf Kinderbelange in Nachrichten achten

Marl (dpa) - Das Adolf-Grimme-Institut hat nach den Terroranschlägen in den USA an die Fernsehsender appelliert, besonders bei Nachrichtensendungen auf die Belange von Kindern zu achten. "Die Anschläge waren in ihrer Auswirkung für Kinder so komplex und unfassbar, dass man kindgerecht auf diese Ereignisse hinweisen muss", sagte der Kindermedienexperte und Grimmepreis-Organisator Ulrich Spies.

"Die Sender müssen versuchen, bei der Auswahl der Bilder und bei der Intensität und Häufigkeit, mit der sie gezeigt werden, behutsam umzugehen, damit Kinder vor dem Fernseher nicht völlig verstört und desorientiert reagieren", sagte Spies in Marl der dpa. Am Tag der Anschläge sei eine kaum gefilterte Bilderflut auf die Zuschauer eingeströmt. Die Darstellungsform sei erst in den Folgetagen einigermaßen vernünftig gelöst worden.

Nach Ansicht des Medienexperten sind Kinder erstmals nach der Terrorwelle als Zuschauergruppe ernst genommen worden. "Der Kinderkanal ist in der Sendung Logo sehr sparsam und vorbildlich mit Bildern umgegangen", sagte Spies. Der Sender habe neben dem dosierten Bildangebot aus dem Stand heraus große Anstrengungen unternommen, dem Kinderpublikum schwierige Hintergründe über Amerika als Wirtschaftsmacht und als politische Macht aufzuzeigen und auf der anderen Seite das Thema Terrorismus und seine Wurzeln zu erklären.

Spies appellierte an die Eltern, Kinder nicht allein vor dem Bildschirm sitzen zu lassen. "Es ist wichtig, gemeinsam Fernsehen zu sehen, weil das Seh-Erlebnis von Kindern sehr intensiv ist. Wenn Fragen, die sich einem Kind spontan stellen, nicht beantwortet werden, kann das zu einem gravierenden Problem werden." An der von Politikern viel zitierten Medienkompetenz kritisierte Spies, dass sie kaum den Kindern beigebracht werde. "Mit Bildern und mit der Sprache von Bildern umzugehen ist etwas, was in Schulen und Kindergärten nicht vermittelt wird."

Spies betonte, dass sich junge Zuschauer immer früher vom Kinderfernsehen verabschiedeten. "Heute orientieren sich schon Elfjährige zum Erwachsenenprogramm hin und akzeptieren Kinderserien, die vor 20 Jahren auch von 10- bis 14-Jährigen gesehen wurden, nur noch für 5- bis 8-Jährige."

Mit dem Thema Kinder und Fernsehen beschäftigt sich das Grimme Institut auch in der neuen Magazinausgabe "Grimme" unter dem Titel "Zielgruppe Kids" sowie beim internationalen Kinder- und Jugendfilmfest im November in Marl.

(Internet: Kinder- und Jugendfilmfest: http://www.kinderfilmfest.de)


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Originaladresse: unbekannt, ursprünglich dpa Pressemeldung.