Am 13.11.2001 veranstaltete die Hochschule für Philosophie in München eine Podiumsdiskussion in der Reihe "Jesuiten im Gespräch" zum Thema

"Der 11. September - Wurzeln und Folgen des Konflikts"

Aus den vielen interessanten Beiträgen will ich zumindest ein paar wenige, von Dr. Brüntrup S.J. eingebrachte Punkte auf die Frage nach den Ursachen des Konflikts herausgreifen.

(Es handelt sich hierbei nicht um wörtliche Zitate, sondern um die auf Grundlage einer privaten Mitschrift erstellte, sinngemäße Zusammenfassung !)


1) Warnung vor dem naheliegenden Reflex der Schuldsuche bei den Opfern. Für den Menschen ist es schwer, zu akzeptieren, dass Unschuldige leiden und sterben, er erträgt die Grausamkeit der Welt nicht. Ein bekannter psychologischer Vorgang ist dann, die Schuld bei den Opfern zu suchen und sich damit zu beruhigen. Die Bildung eines solchen Tun-Ergehen-Zusammenhangs muss jedoch vermieden werden.

2) Es ist nach lokalen, hinreichend spezifischen Ursachen zu suchen. Die Krise im Nahen Osten existiert schon lange, und gerade zum vermuteten Zeitpunkt der Planung des Attentats gab es sogar deutliche Zeichen der Entspannung, es ging in Richtung Frieden. Eine kontrafaktische Analyse ist damit nicht bestanden, d.h. wenn anzunehmen ist, dass die Anschläge "auch ohne Konflikt" verübt worden wären, kann der Konflikt nicht die Ursache sein.

3) Es sind vor allem die Ziele der panislamistischen Bewegung zu betrachten, z.B. das Ziel, einen transnationalen Staat zu gründen. Es geht den Terroristen um eine Schwächung des Gegners um jeden Preis, es geht ihnen darum, die Verwundbarkeit der Supermächte vor der islamischen Welt zu demonstrieren. Es handelt sich um eine sog. "asymmetrische" Kriegsführung.


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